Ärztemangel, warum?

Die Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz weist in ihrer Prognose der Entwicklung bis zum Jahr 2022 aus, dass auf Basis der im Juni 2017 in der ambulanten Versorgung tätigen Mediziner voraussichtlich

  • 57 % in der Fachgruppe Allgemeinmedizin und 
  • 59 % der in anderen Facharztgruppen tätigen Ärzte

in dem Zeitraum der nächsten fünf Jahre in den Ruhestand gehen werden. Diese Zahlen berücksichtigen die heute bereits freien Versorgungsaufträge nicht.

 

Nach den Erfahrungen der letzten Jahre können voraussichtlich 25 % bis 35 % der altersbedingt in den Ruhestand gehenden freiberuflich tätigen Hausärzte, einen zukünftig auch freiberuflich tätigen Mediziner als Nachfolger gewinnen. Den anderen Praxen droht meist die Schließung und den Patienten die häufig schwierige Suche nach einem Arzt für die Weiterbehandlung und den nicht-ärztlichen Mitarbeitern die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz.

 

Was sind die Gründe für diese Entwicklung und die sich drohend abzeichnende Versorgungslücke, die vor allem die Fachgruppe der Allgemeinmediziner trifft:  

  • Die Zahl der Facharztanerkennung in der Gruppe der Allgemeinmediziner liegt seit Jahren deutlich unter der Zahl der Mediziner, die altersbedingt aus der Versorgung ausscheiden.
  • In Folge der i.d.R. elfjährigen Aus- und Weiterbildung bis zur Facharztprüfung, wird dieses Missverhältnis in den kommenden Jahren fortbestehen, ungeachtet der Planung von Stipendien oder vergleichbaren Maßnahmen für Studierende die bereit sind, als Allgemeinmediziner zeitlich befristet in ländlichen Regionen tätig zu werden.
  • Viele Mediziner wünschen einen Beschäftigungsumfang bis maximal 40 Stunden in der Woche (Stichwort Work-Life-Balance) oder eine Teilzeit-Tätigkeit (zum Vergleich: Ein freiberuflich tätiger Praxisinhaber arbeitet im Schnitt 57 Stunden in der Woche). Verstärkt wird die Nachfrage nach Teilzeit-Tätigkeit durch den steigenden Anteil von Frauen im Medizinstudium, der bei circa 70 % liegt. 
  • Anders als die damals jungen Mediziner in den zurückliegenden 80er und 90er Jahren, für die das Leben in ländlicher Umgebung häufig zu den angestrebten Lebensidealen gehörte, gewichten viele Studienabgänger und Facharzt-Absolventen heute die Attraktivität städtischen oder stadtnahen Wohnens und Arbeitens höher. Eine Tätigkeit in ländlichen Regionen wird als weniger attraktiv angesehen. 
  • Junge Mediziner scheuen oft das unternehmerische Risiko, das mit einer freiberuflichen Tätigkeit verbunden ist.